Hinweis für Ausbildung & Lehre: Didaktische Prüffassung, nicht für eigenständige Therapie- oder Dosierungsentscheidungen freigegeben. Fachliche Freigabe ausstehend. Im klinischen Einsatz gelten aktuelle Fachinformationen, lokale SOPs und ärztliche Anordnungen.
Lehrfassung – nicht klinisch freigegeben

Hinweis für Ausbildung & Lehre: Didaktische Prüffassung, nicht für eigenständige Therapie- oder Dosierungsentscheidungen freigegeben. Fachliche Freigabe ausstehend. Im klinischen Einsatz gelten aktuelle Fachinformationen, lokale SOPs und ärztliche Anordnungen.

Fachwissen · Physiologische Grundlagen

Physiologie verstehen – Pathophysiologie erkennen

Wie funktioniert der Körper – und was verändert sich bei Erkrankung, Operation und Anästhesie? 18 verständliche Lernkapitel mit digitalen Taschenkarten.

Digitale Taschenkarte · Kurzübersicht

Physiologie und Pathophysiologie schnell verstehen

Das ist bereits die Kurzansicht. Die vollständigen Fachtexte und Übungen öffnest du mit der Schaltfläche darunter.

Normalfunktion
Atmung, Kreislauf, Niere, Stoffwechsel und Neuroendokrinologie
Störungsmechanismus
Die Ursache-Folge-Ketten häufiger anästhesierelevanter Erkrankungen
ATA-Praxis
Beobachtungen, Monitoring und Grenzen einfacher Merksätze
Passende Einzel-Taschenkarten öffnen
Direkt zu einem Fachabschnitt

Grundlagen · ATA-Lernmodul

Vom Normalzustand zur Erkrankung

So sind die Lernkapitel aufgebaut

Was ist die normale Funktion? Was verändert sich bei einer Störung – und warum ist das für Narkose, Monitoring oder Aufwachraum relevant? Jedes Kapitel verbindet alle drei Ebenen.

1 Normalfunktion2 Störung3 ATA-Praxis
Alle 18 Physio-Taschenkarten
Didaktische Einordnung, keine klinisch freigegebene Diagnostik oder Behandlungsanweisung. Kurzmodelle erklären Mechanismen, ersetzen aber nicht die individuelle Beurteilung.
18 Lernkapitel

Atmung 5 Kapitel

Atemmechanik, Compliance und ResistanceWarum eine Lunge bei gleicher Druckänderung unterschiedlich viel Volumen aufnimmt.

Normalfunktion

  • Bei der Inspiration vergrößert das Zwerchfell den Thorax; der intrapleurale Druck wird negativer und Luft strömt entlang eines Druckgefälles.
  • Compliance beschreibt die Volumenänderung pro Druckänderung (ΔV/ΔP); sie betrifft Lunge und Thoraxwand.
  • Resistance ist der Strömungswiderstand der Atemwege. Er steigt insbesondere bei verengten Bronchien oder einem abgeknickten Tubus.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Bei geringer Compliance steigt der für ein bestimmtes Tidalvolumen erforderliche Druck, etwa bei Ödem, Atelektase oder ARDS.
  • Bei erhöhter Resistance steigt vor allem die Druckdifferenz zwischen Spitzen- und Plateaudruck während kontrollierter Beatmung.
  • Ein hoher Atemwegsdruck beweist weder allein eine geringe Compliance noch eine Tubusobstruktion; Einstellungen und Messbedingungen sind entscheidend.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Mechanische Veränderung von Lunge/Atemweg
  2. Compliance sinkt oder Resistance steigt
  3. Atemwegsdruck-/Flowkurve verändert sich
  4. Differenzierung anhand Kurven, Plateaudruck und Gesamtsituation

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Peakdruck, Plateaudruck und Driving Pressure nicht synonym verwenden.
  • Plateaudruck und Compliance nur bei geeigneten Messbedingungen interpretieren.
  • Anästhesie, Lagerung und Adipositas können die Mechanik verändern.

Wichtige Einordnung: Eine scheinbar „harte“ Lunge kann auch durch die Thoraxwand beeinflusst sein; Atemwegsdruck ist nicht unmittelbar transpulmonaler Druck.

Ventilation/Perfusion: V/Q, Shunt und TotraumWarum Sauerstoff trotz Beatmung nicht ausreichend ins arterielle Blut gelangt.

Normalfunktion

  • Ventilation bringt Atemgas zu den Alveolen; Perfusion bringt Blut an die alveolokapilläre Membran.
  • Für wirksamen Gasaustausch müssen belüftete Alveolen ausreichend durchblutet sein.
  • V/Q beschreibt das Verhältnis von alveolärer Ventilation zu pulmonaler Perfusion; regionale Unterschiede sind physiologisch.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Shunt-Anteil: Blut passiert schlecht oder nicht belüftete Lungenareale; Sauerstoffzufuhr kann die Hypoxämie oft nur begrenzt korrigieren.
  • Totraum: Alveolen werden belüftet, aber kaum perfundiert; z. B. bei pulmonaler Gefäßobstruktion.
  • Atelektasen, Sekret und Pneumonie fördern ein niedriges V/Q und können eine postoperative Hypoxämie erklären.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Ungleichgewicht von Luft und Blut
  2. V/Q sinkt oder steigt regional
  3. Oxygenierung und/oder CO₂-Elimination werden ineffizient
  4. BGA, etCO₂, klinische und bildgebende Befunde zusammenführen

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • SpO₂ misst nicht direkt die alveoläre Ventilation.
  • Bei Hypoxämie auch Atelektasen, V/Q-Mismatch, Shunt und Kreislauf berücksichtigen.
  • EtCO₂ und PaCO₂ können bei Totraumzunahme stärker auseinanderliegen.

Wichtige Einordnung: Shunt, Totraum und V/Q-Mismatch sind unterschiedliche Mechanismen; „mehr Sauerstoff“ behebt nicht jede Ursache.

Sauerstofftransport: PaO₂, SpO₂ und HbArterielle Sauerstoffspannung, Sättigung und Sauerstoffgehalt sind nicht dasselbe.

Normalfunktion

  • PaO₂ bildet den Partialdruck des physikalisch gelösten Sauerstoffs ab.
  • SpO₂ approximiert die prozentuale O₂-Beladung des Hämoglobins, abhängig von den Grenzen der Pulsoxymetrie.
  • Der Großteil des Sauerstoffs ist an Hämoglobin gebunden; der arterielle Sauerstoffgehalt hängt daher besonders von Hb und Sättigung ab.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Bei ausgeprägter Anämie kann die SpO₂ normal erscheinen, obwohl die gesamte O₂-Transportkapazität vermindert ist.
  • Bei gestörter Perfusion ist der Sauerstofftransport ins Gewebe trotz guter arterieller Oxygenierung eingeschränkt.
  • Bei Dys- oder Methämoglobinämie und anderen Störfaktoren können Pulsoxymeterwerte irreführend sein.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Oxygenierung, Hb und Herzzeitvolumen wirken zusammen
  2. Arterieller O₂-Gehalt wird bestimmt
  3. O₂-Angebot ans Gewebe hängt auch vom Blutfluss ab
  4. Sättigung niemals isoliert als Perfusionsnachweis interpretieren

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • SpO₂, Hb-Wert und klinische Perfusion ergänzen sich.
  • Ein normaler PaO₂ schließt eine Anämie-bedingte geringe O₂-Transportkapazität nicht aus.
  • Sauerstoffangebot und tatsächlicher Gewebeverbrauch müssen unterschieden werden.

Wichtige Einordnung: Pulsoxymetrie ersetzt weder die BGA noch die Beurteilung von Hb und Kreislauf.

Obstruktion: Asthma, COPD und dynamische ÜberblähungVerengte Atemwege verlängern die Ausatmung und verändern Druck-Flow-Verläufe.

Normalfunktion

  • Der Atemwegswiderstand hängt stark vom Radius der Bronchien ab.
  • Die Exspiration ist bei forcierter Atmung besonders anfällig für dynamische Atemwegskompression.
  • Bei ausreichender Exspirationszeit fällt das Lungenvolumen vor dem nächsten Atemzug wieder ab.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Asthma geht häufig mit reversibler Bronchokonstriktion und Entzündung einher. COPD umfasst eine persistierende Flusslimitation.
  • Unvollständige Exspiration führt zu Air Trapping und intrinsischem PEEP (Auto-PEEP).
  • Dynamische Überblähung kann die venöse Rückführung vermindern und den Kreislauf beeinträchtigen.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Exspiratorischer Widerstand steigt
  2. Luft bleibt vor der nächsten Inspiration zurück
  3. Endexspiratorisches Volumen / Auto-PEEP nimmt zu
  4. Beatmungsmechanik und Hämodynamik können sich verschlechtern

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Verlängerte Exspiration, Flowkurven und etCO₂-Morphologie gemeinsam bewerten.
  • Bronchospasmus von Tubusproblem, Sekret und Kreisteilfehlern unterscheiden.
  • Bei Überblähungsverdacht Beatmungseinstellungen nach ärztlicher Entscheidung überprüfen.

Wichtige Einordnung: Die „Haifischflosse“ im Kapnogramm deutet auf eine Flusslimitation hin, ist aber keine alleinige Asthmadiagnose.

ARDS, Atelektase und alveoläres ÖdemGemeinsames Problem: Lungenareale werden schlechter belüftet; Mechanismen unterscheiden sich.

Normalfunktion

  • Surfactant reduziert die Oberflächenspannung und stabilisiert Alveolen.
  • Offene und ausreichend perfundierte Alveolen ermöglichen Diffusion.
  • Die verfügbare belüftete Lungenfläche beeinflusst Compliance und Gasaustausch.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Eine Atelektase ist der Kollaps eines Lungenabschnitts, z. B. perioperativ durch Narkose und reduzierte funktionelle Residualkapazität.
  • Bei ARDS erhöht die Entzündung die Durchlässigkeit der alveolokapillären Barriere: Flüssigkeit tritt in Alveolen über und Surfactant wird beeinträchtigt.
  • Beide Konstellationen können Shunt-Anteile, Hypoxämie und geringere Compliance verursachen.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Alveolen kollabieren oder werden mit Flüssigkeit gefüllt
  2. Ventilierte Lungenfläche nimmt ab
  3. Shunt/V-Q-Störung und häufig schlechtere Compliance
  4. Oxygenierungsproblem; Ursachen und klinischen Kontext klären

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • ARDS ist kein Synonym für jede postoperative Hypoxämie.
  • Oxygenierung, Beatmungsdrücke, Rekrutierbarkeit und Hämodynamik differenziert betrachten.
  • Lungenprotektive Beatmungsstrategien richten sich nach ärztlichem Protokoll und Indikation.

Wichtige Einordnung: Atelektase, kardiales Lungenödem und ARDS können ähnlich aussehen, erfordern aber unterschiedliche ätiologische Einordnung.

Kreislauf 5 Kapitel

Herzzeitvolumen, Vorlast, Nachlast und InotropieEin Modell zum Verständnis hämodynamischer Reaktionen bei Einleitung, Blutverlust und Katecholaminen.

Normalfunktion

  • Herzzeitvolumen (HZV) = Herzfrequenz × Schlagvolumen.
  • Vorlast hängt mit der enddiastolischen Füllung zusammen; über den Frank-Starling-Mechanismus kann mehr Füllung das Schlagvolumen erhöhen.
  • Nachlast beschreibt die Last, gegen die das Herz auswerfen muss; Kontraktilität beschreibt die aktive Pumpkraft.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Hypovolämie mindert häufig die Vorlast und damit das Schlagvolumen.
  • Eine ausgeprägte Nachlasterhöhung kann bei eingeschränkter Herzfunktion das Schlagvolumen mindern.
  • Tachykardie steigert nicht unbegrenzt das HZV, da eine verkürzte Diastole die Füllung begrenzen kann.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Herzfrequenz, Füllung, Nachlast und Kontraktilität verändern sich
  2. Schlagvolumen passt sich an
  3. HZV und organbezogene Perfusion verändern sich
  4. Blutdruck ist nur ein indirekter Teil der Beurteilung

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Hypotonie kann durch Vasodilatation, niedrige Vorlast oder Pumpstörung entstehen.
  • Nicht jede hypotone Person benötigt automatisch Flüssigkeit.
  • Trend von Frequenz, Druck, Perfusion und klinischem Kontext zusammenführen.

Wichtige Einordnung: Frank-Starling beschreibt keine unbegrenzte Volumenresponsivität; Überfüllung kann schaden.

Blutdruck, Gefäßtonus und OrganperfusionWarum ein gemessener Blutdruck nicht automatisch eine ausreichende Mikrozirkulation garantiert.

Normalfunktion

  • Blutdruck ergibt sich aus Pumpfunktion, Gefäßwiderstand und Gefäßelastizität; das vereinfachte HZV-Widerstands-Modell hilft bei der Einordnung.
  • Arteriolen regulieren einen großen Teil des systemischen Gefäßwiderstands.
  • Organe passen ihre Durchblutung über lokale Autoregulation innerhalb bestimmter Grenzen an.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Anästhetika können Gefäße dilatieren; der arterielle Druck sinkt möglicherweise bei zunächst erhaltenem Blutfluss.
  • Bei Vasokonstriktion kann der Druck steigen, ohne dass jede Mikrozirkulationsstörung behoben ist.
  • Eine Autoregulation kann bei Erkrankung, chronischer Hypertonie oder kritischer Hypoperfusion beeinträchtigt sein.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Gefäßtonus, Herzleistung und Volumenstatus ändern sich
  2. Arterieller Druck verändert sich
  3. Organdurchblutung kann mitbetroffen sein
  4. Zusätzliche Perfusionszeichen prüfen

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • MAP-Trend, Hautperfusion, Bewusstsein, Diurese und gegebenenfalls Laktat im Kontext bewerten.
  • Ein Zielblutdruck ist individuell und ersetzt keine umfassende Beurteilung.
  • Plötzliche Blutdruckabfälle unter Narkose immer ursachenorientiert betrachten.

Wichtige Einordnung: MAP und systemischer Gefäßwiderstand sind keine direkten Messungen der regionalen Mikrozirkulation.

Schockformen und SauerstoffangebotSchock ist eine Störung der zellulären Sauerstoffversorgung, nicht nur ein niedriger Blutdruck.

Normalfunktion

  • Gewebe benötigt O₂-Angebot über Blutfluss und arteriellen O₂-Gehalt.
  • Die Mikrozirkulation verteilt Blut an die Zellen und ermöglicht Stoffaustausch.
  • Gegenregulationen wie Tachykardie und Vasokonstriktion können eine Kreislaufstörung zunächst teilweise kompensieren.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Hypovolämischer Schock: reduzierte zirkulierende Füllung; kardiogener Schock: eingeschränkte Pumpfunktion.
  • Obstruktiver Schock: mechanische Behinderung des Kreislaufs (z. B. Spannungspneumothorax, massive Lungenembolie).
  • Distributiver Schock: Fehlverteilung und Vasodilatation, häufig zusätzlich gestörte Mikrozirkulation.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Kreislaufmechanismus fällt aus
  2. Effektiver Gewebeblutfluss und/oder O₂-Gehalt unzureichend
  3. Zelluläre Energieversorgung gefährdet
  4. Organdysfunktion und mögliche Laktaterhöhung

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Tachykardie, Hypotonie, Bewusstsein, Haut, Diurese und Laktat als Gesamtbild betrachten.
  • Die Schockform beeinflusst die Ursachenbehandlung; einheitliche Maßnahmen sind nicht für alle Formen passend.
  • Ärztliche Notfallabklärung und Anästhesieteam bei Verdacht sofort hinzuziehen.

Wichtige Einordnung: Laktat kann bei Hypoperfusion steigen, ist aber nicht spezifisch dafür und darf nicht isoliert interpretiert werden.

Sepsis: Entzündung, Vasoplegie und MikrozirkulationDie gestörte Wirtsantwort auf eine Infektion kann mehrere Organsysteme gleichzeitig betreffen.

Normalfunktion

  • Eine kontrollierte Immunantwort beseitigt Erreger und begrenzt Gewebeschäden.
  • Das Gefäßendothel reguliert Gefäßtonus, Gerinnung und Durchlässigkeit.
  • Die Mikrozirkulation sichert den Austausch von O₂ und Stoffwechselprodukten.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Bei Sepsis kann die dysregulierte Entzündungsreaktion Endothel und Mikrozirkulation schädigen.
  • Vasodilatation und Kapillarleck begünstigen einen relativen intravasalen Volumenmangel.
  • Mikrothromben, gestörter Blutfluss und Organfehlfunktion können trotz teils erhaltener globaler Kreislaufwerte entstehen.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Infektion + dysregulierte Wirtsantwort
  2. Endothelschaden/Vasoplegie/Kapillarleck
  3. Mikrozirkulation gestört
  4. Mögliche Organfunktionsstörung

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Frühzeichen können unspezifisch sein; Verlauf und Infektionskontext beachten.
  • Fieber ist nicht obligat; Hypothermie und Bewusstseinsveränderung sind ebenfalls möglich.
  • Bei Verdacht auf schwere Sepsis frühzeitig das zuständige Team informieren.

Wichtige Einordnung: Sepsis ist nicht gleichbedeutend mit „Infektion plus Fieber“; entscheidend ist die lebensbedrohliche Organdysfunktion.

Koronarperfusion und MyokardischämieWeshalb eine Veränderung der Herzfrequenz und des Blutdrucks die O₂-Bilanz des Herzmuskels beeinflusst.

Normalfunktion

  • Myokardiale O₂-Versorgung hängt unter anderem von Koronardurchblutung und arteriellem O₂-Gehalt ab.
  • Die linke Koronarperfusion erfolgt wesentlich in der Diastole.
  • Der O₂-Bedarf steigt insbesondere mit Herzfrequenz, Kontraktilität und Wandspannung.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Tachykardie verkürzt die Diastole und erhöht gleichzeitig den Bedarf.
  • Hypotonie kann bei koronarer Vorerkrankung die Perfusionsreserve einschränken.
  • Anämie und Hypoxämie senken die O₂-Transportkapazität; eine Koronarstenose kann das Angebot zusätzlich begrenzen.

Mechanismus in vier Schritten

  1. O₂-Angebot sinkt und/oder Bedarf steigt
  2. Myokardiale O₂-Bilanz kippt
  3. Ischämie kann entstehen
  4. EKG-/Kreislaufveränderungen und Symptome beurteilen

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • KHK und vorbestehende Ischämierisiken in die Überwachung einbeziehen.
  • Anästhesie-assoziierte Tachykardie oder Hypotonie nicht ausschließlich symptomatisch, sondern ursachenbezogen betrachten.
  • ST-Veränderungen im Monitoring veranlassen eine weitergehende ärztliche Abklärung; keine Diagnose allein aus einem Kanal.

Wichtige Einordnung: Fehlende Brustschmerzen unter Narkose schließen eine Myokardischämie nicht aus.

Niere & Stoffwechsel 4 Kapitel

Nierenperfusion, GFR und akute NierenschädigungFiltration, tubuläre Funktion und Kreislauf sind eng verknüpft.

Normalfunktion

  • Die Niere filtriert Plasma im Glomerulus und verändert die Zusammensetzung des Primärharns durch Rückresorption und Sekretion.
  • Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist ein wichtiger Parameter der Nierenfunktion, aber nicht die einzige Nierenleistung.
  • Autoregulation stabilisiert renalen Blutfluss und Filtration nur innerhalb bestimmter hämodynamischer Grenzen.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Minderperfusion kann zunächst prärenale Funktionsstörungen auslösen und bei Dauer/Schwere zu struktureller Tubulusschädigung beitragen.
  • Akute Nierenschädigung (AKI) kann durch prärenale, intrarenale und postrenale Ursachen entstehen.
  • Kreatinin steigt oft verzögert; eine normale oder erhaltene Diurese schließt eine AKI nicht sicher aus.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Perfusion, Gefäße oder Tubuli beeinträchtigt
  2. Filtration und/oder tubuläre Funktion gestört
  3. Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen möglich
  4. Diurese, Kreislauf, Kreatinin und Verlauf gemeinsam interpretieren

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Diurese dokumentieren; ihre Aussage hängt von Diuretika, Flüssigkeit und Umständen ab.
  • Nephrotoxische Exposition und postoperative Risiken im Team beachten.
  • Bei Oligurie nicht automatisch „Volumenmangel“ annehmen.

Wichtige Einordnung: Urinmenge ist nicht gleich GFR; Kreatinin und Diurese müssen im Zeitverlauf bewertet werden.

RAAS, ADH und FlüssigkeitsregulationRegelhormone koppeln Blutdruck und Volumenhaushalt an die Niere.

Normalfunktion

  • Reninfreisetzung aktiviert über Angiotensin I/II das RAAS. Angiotensin II fördert Gefäßverengung und Aldosteronfreisetzung.
  • Aldosteron steigert die renale Natriumrückresorption und fördert Kaliumausscheidung.
  • ADH (Vasopressin) fördert über die Sammelrohre die Rückresorption von Wasser; die Steuerung reagiert unter anderem auf Osmolalität.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Verminderte Organperfusion kann RAAS und Sympathikus stimulieren.
  • Vermehrte ADH-Wirkung führt zur Wasserretention und kann bei Wasserüberschuss Hyponatriämien begünstigen.
  • Bei geschädigter Niere sind die hormonellen Kompensationsmechanismen und die Elektrolytregulation beeinträchtigt.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Volumen/Osmolalität verändert sich
  2. Renin/Angiotensin/Aldosteron oder ADH werden angepasst
  3. Natrium- und Wasserhaushalt ändern sich
  4. Blutdruck, Diurese und Elektrolyte reagieren

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Natriumkonzentration ist keine direkte Messung des gesamten Natriumbestands.
  • Bei Infusionstherapie den zeitlichen Verlauf und die Grunderkrankung berücksichtigen.
  • ADH und Aldosteron unterscheiden: Wasserretention vs. Natrium-/Kaliumtransport.

Wichtige Einordnung: RAAS und ADH wirken zusammen, regeln aber nicht dasselbe; Wasser- und Natriumhaushalt getrennt betrachten.

Säure-Basen-Haushalt: Lunge, Puffer und NiereDie BGA wird verständlicher, wenn man die getrennten Regler kennt.

Normalfunktion

  • Das Bicarbonat-Kohlensäure-System ist ein wesentlicher extrazellulärer Puffer.
  • Die Ventilation beeinflusst den CO₂-Partialdruck innerhalb von Minuten.
  • Die Niere reabsorbiert beziehungsweise generiert Bicarbonat und scheidet Säure aus; die Anpassung dauert länger.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Hypoventilation steigert tendenziell PaCO₂ und begünstigt eine respiratorische Azidose.
  • Bicarbonatverlust oder vermehrte nichtflüchtige Säuren begünstigen eine metabolische Azidose.
  • Kompensation verändert die andere Regulationsachse, normalisiert den pH aber nicht immer vollständig.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Primäre respiratorische oder metabolische Störung
  2. pCO₂ oder HCO₃⁻ verändert sich
  3. pH verschiebt sich
  4. Kompensation und mögliche Mischstörung prüfen

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Immer pH, PaCO₂, HCO₃⁻ und klinischen Kontext zusammen auswerten.
  • Kompensation ist nicht automatisch eine zweite eigenständige Erkrankung.
  • Arterielle und venöse Blutgase nicht unbesehen gleichsetzen.

Wichtige Einordnung: Ein pH von 7,32 ist isoliert eine Abweichung, nicht automatisch ein klinisch kritischer Alarm; Schweregrad und Kontext zählen.

Kalium und Natrium: Verteilung, Erregbarkeit, WasserZwei Elektrolyte mit ganz unterschiedlichen physiologischen Schwerpunkten.

Normalfunktion

  • Kalium befindet sich überwiegend intrazellulär und beeinflusst das Ruhepotenzial erregbarer Zellen.
  • Natrium ist das wichtigste Kation im Extrazellulärraum und prägt wesentlich die extrazelluläre Osmolalität.
  • Nieren und Hormone regulieren die Bilanz; pH und Insulin verändern zusätzlich die Verteilung von Kalium.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Hyper- und Hypokaliämien können die kardiale Erregungsbildung und -leitung beeinträchtigen.
  • Störungen der Natriumkonzentration spiegeln oft ein Wasser-Ungleichgewicht wider und können neurologisch relevant werden.
  • Schwere/rasche Elektrolytverschiebungen sind stärker symptomrelevant als eine geringe isolierte Referenzabweichung.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Aufnahme/Verlust oder Verteilung verschiebt sich
  2. Serumkonzentration verändert sich
  3. Membranpotenzial/Osmolalität betroffen
  4. EKG, Neurologie, Labor und Verlauf gemeinsam prüfen

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Kaliumlabor bei Hämolyseverdacht plausibilisieren lassen.
  • EKG-Veränderungen sind bei Kaliumstörungen variabel; ein unauffälliges EKG schließt Risiken nicht aus.
  • Natriumstörungen nicht ohne Ursache und Verlauf isoliert behandeln.

Wichtige Einordnung: Serumkonzentration und Gesamtkörperbestand sind insbesondere bei Kalium nicht identisch.

Neuro · Endokrin · Temperatur 4 Kapitel

Insulin, Glukagon und GlukosestoffwechselWarum Operation, Fasten und Diabetes den Glukosehaushalt verändern.

Normalfunktion

  • Insulin aus den Betazellen fördert insbesondere in Muskel- und Fettgewebe die Glukoseaufnahme und hemmt hepatische Glukoseproduktion.
  • Glukagon aus Alphazellen fördert in der Leber Glykogenolyse und Glukoneogenese.
  • Das Gehirn ist in besonderem Maß auf eine kontinuierliche Energieversorgung angewiesen.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Absoluter Insulinmangel begünstigt Hyperglykämie, Lipolyse, Ketonkörperbildung und im Extremfall Ketoazidose.
  • Insulinresistenz und Stresshormone können perioperativ die Glukose erhöhen.
  • Exogenes Insulin ohne passende Glukosezufuhr kann eine Hypoglykämie auslösen.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Insulin-/Glukagonwirkung verändert sich
  2. Glukoseaufnahme und Leberproduktion geraten aus Balance
  3. Hyper- oder Hypoglykämie
  4. Neurostatus, Elektrolyte, BGA und Verlauf berücksichtigen

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Perioperativen Glukoseverlauf dokumentieren.
  • Insulin- und Glukoseinfusionen nicht unabhängig voneinander beurteilen.
  • Bei Bewusstseinsstörung auch Hypoglykämie als behandelbare Ursache berücksichtigen lassen.

Wichtige Einordnung: Hyperglykämie beweist keine Ketoazidose; für diese sind zusätzliche Befunde (Ketone, Säure-Basen-Status) erforderlich.

Stressantwort: Sympathikus und HPA-AchseEine Operation aktiviert schnelle neuronale und langsamere hormonelle Regelkreise.

Normalfunktion

  • Der Sympathikus vermittelt rasch Katecholamineffekte: Herzfrequenz, Kontraktilität und Gefäßtonus verändern sich.
  • Die HPA-Achse umfasst Hypothalamus (CRH), Hypophyse (ACTH) und Nebennierenrinde (Cortisol).
  • Cortisol unterstützt unter Stress die Energiebereitstellung und moduliert Entzündungsreaktionen.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Schmerz, Blutverlust, Infektion und Operation können Sympathikus und Stresshormone stimulieren.
  • Stresshyperglykämie kann auch ohne bekannten Diabetes auftreten.
  • Bei Störungen der Nebennierenfunktion können die Anpassung an Stress und hämodynamische Stabilität beeinträchtigt sein.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Stressreiz
  2. Sympathikus / HPA-Achse aktiviert
  3. Katecholamine / Cortisol wirken
  4. Kreislauf, Stoffwechsel und Immunreaktion verändern sich

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Tachykardie und Hyperglykämie können Ausdruck der Stressantwort sein, sind aber unspezifisch.
  • Bei langfristiger Steroidtherapie eine mögliche HPA-Suppression in der Anamnese beachten.
  • Anästhesie dämpft verschiedene Stressantworten, beseitigt nicht alle Ursachen.

Wichtige Einordnung: Eine erhöhte Herzfrequenz ist nicht gleichbedeutend mit Schmerz; Hypovolämie, Infektion und andere Ursachen mitbedenken.

Gehirn: Perfusion, CO₂-Reaktivität und EnergiebedarfWeshalb Blutdruck, Oxygenierung und Ventilation eng mit der Hirnfunktion verknüpft sind.

Normalfunktion

  • Gehirngewebe benötigt kontinuierlich Sauerstoff und Glukose.
  • Zerebrale Gefäße regulieren die Durchblutung innerhalb gewisser Grenzen selbst.
  • Der arterielle CO₂-Partialdruck beeinflusst den Gefäßtonus der zerebralen Gefäße deutlich.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Schwere Hypoxämie oder Hypotension gefährden die zerebrale Sauerstoffversorgung.
  • Hyperkapnie kann zerebrale Vasodilatation und eine Zunahme des intrakraniellen Blutvolumens fördern.
  • Eine ausgeprägte Hypokapnie verengt Hirngefäße und kann die Durchblutung verringern.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Oxygenierung/Perfusionsdruck/CO₂ verändern sich
  2. Zerebraler Blutfluss passt sich an oder reicht nicht mehr aus
  3. Gewebsoxygenierung kann beeinträchtigt werden
  4. Vigilanz und neurologische Funktion reagieren

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Bewusstseinslage ist eine wichtige, aber unspezifische Beobachtung.
  • Bei verzögertem Erwachen systematisch auch Medikamente, Glukose, Temperatur, CO₂ und O₂ prüfen.
  • Neue fokale neurologische Zeichen als Warnsignal sofort melden.

Wichtige Einordnung: Hyperventilation senkt pCO₂ und kann die Hirndurchblutung vermindern; daher keine universelle Routine zur „Hirnentlastung“.

Thermoregulation und perioperative HypothermieWarum Patientinnen und Patienten unter Narkose besonders leicht auskühlen.

Normalfunktion

  • Der Hypothalamus koordiniert Wärmeerzeugung und Wärmeabgabe über vasomotorische und weitere Reaktionen.
  • Kerntemperatur und periphere Temperatur unterscheiden sich; Wärmeregulation hält die Kerntemperatur relativ konstant.
  • Wärme geht über Strahlung, Konvektion, Leitung und Verdunstung verloren.

Was ändert sich bei einer Störung?

  • Anästhetika erweitern Gefäße und beeinträchtigen thermoregulatorische Schutzreaktionen.
  • Zu Beginn der Narkose kann sich Wärme vom Körperkern in die Peripherie umverteilen.
  • Hypothermie kann Gerinnung, Arzneimittelkinetik, Aufwachen und Infektionsrisiken beeinflussen.

Mechanismus in vier Schritten

  1. Narkose → Vasodilatation und reduzierte Thermoregulation
  2. Wärmeumverteilung und Wärmeverluste
  3. Kerntemperatur sinkt
  4. Mögliche Gerinnungs-, Erholungs- und Wundheilungsfolgen

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Kontinuierliche Temperaturbeobachtung je nach Eingriff und Risiko.
  • Wärmemanagement vor und während der OP im Team sicherstellen.
  • Postoperatives Frieren und Temperaturabweichungen nicht bagatellisieren.

Wichtige Einordnung: Eine normale Hauttemperatur schließt eine niedrige Kerntemperatur nicht aus.