Hinweis für Ausbildung & Lehre: Didaktische Prüffassung, nicht für eigenständige Therapie- oder Dosierungsentscheidungen freigegeben. Fachliche Freigabe ausstehend. Im klinischen Einsatz gelten aktuelle Fachinformationen, lokale SOPs und ärztliche Anordnungen.
Lehrfassung – nicht klinisch freigegeben

Hinweis für Ausbildung & Lehre: Didaktische Prüffassung, nicht für eigenständige Therapie- oder Dosierungsentscheidungen freigegeben. Fachliche Freigabe ausstehend. Im klinischen Einsatz gelten aktuelle Fachinformationen, lokale SOPs und ärztliche Anordnungen.

Fachwissen · Kinder, Schwangerschaft, Adipositas und Begleiterkrankungen

Besondere Patientengruppen sicher einordnen

22 Lernkapitel zu Kindern, Schwangerschaft, Adipositas/OSA, geriatrischen Patienten und relevanten Begleiterkrankungen – mit digitalen Taschenkarten.

Digitale Taschenkarte · Kurzübersicht

Besondere Patientengruppen – kurz orientieren

Das ist bereits die Kurzansicht. Die vollständigen Fachtexte und Übungen öffnest du mit der Schaltfläche darunter.

Kinder & Schwangerschaft
Alters- und schwangerschaftsbedingte physiologische Besonderheiten und Risiken
Adipositas, OSA & Geriatrie
Atemweg, respiratorische Reserve, Delirrisiko und postoperative Überwachung
Begleiterkrankungen
Diabetes, Nieren-, Herz-, Lungen- und Lebererkrankungen perioperativ einordnen
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Direkt zu einem Fachabschnitt

Besondere Patientengruppen · perioperatives Lernmodul

Besondere Patientengruppen – Versorgung gezielt vorbereiten

So sind die Lernkapitel aufgebaut

Was unterscheidet Kinder, Schwangere, Menschen mit Adipositas oder hohem Alter sowie Patienten mit chronischen Erkrankungen? Die Kapitel verbinden Grundlagen, typische Risiken und die Bedeutung für den ATA-Arbeitsplatz.

1 Grundlagen2 Einordnung3 ATA-Praxis
Alle 22 Patientengruppen-Taschenkarten
Didaktische Einordnung, keine klinisch freigegebene Diagnostik oder Behandlungsanweisung. Kurzmodelle erklären Mechanismen, ersetzen aber nicht die individuelle Beurteilung.
22 Lernkapitel

Kinder & Jugendliche 5 Kapitel

Physiologische Besonderheiten bei KindernAlter verändert Atmung, Kreislauf, Temperatur und die Sicherheitsreserve.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Säuglinge haben einen höheren Sauerstoffverbrauch pro Kilogramm und eine geringere funktionelle Reserve als Erwachsene.
  • Herzfrequenz und Blutdruck sind altersabhängig; altersgerechte Referenzen sind für die Beurteilung unerlässlich.
  • Die Thermoregulation ist besonders bei Neugeborenen unreif, die Körperoberfläche im Verhältnis zur Masse groß.

Besondere Risiken und Störungen

  • Apnoe und Atemwegsobstruktion können bei kleinen Kindern schneller zu einer Entsättigung führen.
  • Hypothermie und Hypoglykämie sind bei Säuglingen besonders relevante perioperative Risiken.
  • Erwachsenen-Normwerte können im Kindesalter schwerwiegend fehlinterpretiert werden.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Altersbezogene Überwachungsgrenzen und passende Manschetten-, Sensor- und Atemwegsmaterialgrößen prüfen.
  • Wärmeerhalt, Glukose- und Flüssigkeitsmanagement altersgerecht vorbereiten.
  • Besonderheiten bei Übergabe und Aufwachraumüberwachung klar benennen.

Wichtige Einordnung: Keine Erwachsenenstandards ungeprüft auf Kinder übertragen.

Neonataler und pädiatrischer AtemwegAnatomie, Material und Sauerstoffreserve sind altersabhängig.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Zungengröße, Larynxposition, Atemwegsdurchmesser und Kopfproportionen unterscheiden sich altersabhängig.
  • Kleinere Atemwegsdurchmesser erhöhen bei Schleimhautschwellung die Strömungswiderstände deutlich.
  • Tubusgröße und Einführtiefe müssen anhand von Alter, Größe, klinischer Situation und Geräteinformationen geprüft werden.

Besondere Risiken und Störungen

  • Mehrfache Intubationsversuche erhöhen Risiken für Hypoxie und Atemwegstrauma.
  • Laryngospasmus und obere Atemwegsobstruktion sind wichtige perioperative Komplikationen.
  • Eine erfolgreiche Intubation ist erst durch geeignete Lagekontrolle, insbesondere Kapnografie, gesichert.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Pädiatrisches Atemwegsset mit angemessenen Masken, supraglottischen Hilfen und Tubusgrößen vorbereiten.
  • Schwierigen Atemweg vorab besprechen: Zuständigkeiten, erster Plan und Ausweichstrategie.
  • Kontinuierliche Oxygenierungsüberwachung und sichere Fixierung gewährleisten.

Wichtige Einordnung: Bei Neugeborenen und Säuglingen sind Erfahrung und altersgerechte SOPs besonders entscheidend.

Perioperative Nüchternheit bei KindernNüchternheitszeiten unterscheiden nach Nahrungsart und lokaler Empfehlung.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Nüchternheit soll Aspiration vorbeugen, gleichzeitig aber unnötig lange Fastenzeiten vermeiden.
  • Klare Flüssigkeiten, Muttermilch, Formulanahrung und feste Nahrung erfordern unterschiedliche Betrachtung.
  • Die deutschen Empfehlungen zur perioperativen Nüchternheit sind die Grundlage der lokalen SOP.

Besondere Risiken und Störungen

  • Langes Fasten begünstigt Durst, Unwohlsein und unter Umständen Dehydratation.
  • Erbrechen, Magenentleerungsstörungen und Notfalleingriffe erfordern eine individuelle Risikobewertung.
  • Internationale Zeitmodelle weichen teils voneinander ab und dürfen nicht unkritisch kombiniert werden.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Letzte Aufnahme nach Uhrzeit und Art der Nahrung dokumentieren und an das Anästhesieteam übergeben.
  • Bei Abweichungen nicht selbstständig Freigaben oder Verschiebungen festlegen.
  • Bei geänderter OP-Reihenfolge Nüchternheits- und Flüssigkeitsplan aktiv abstimmen.

Wichtige Einordnung: Keine starre Fastenstunden-Tabelle ohne Bezug auf die jeweils gültige lokale SOP verwenden.

Infusions- und Temperaturmanagement beim KindKörpergewicht, Alter und Eingriff bestimmen den Bedarf.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Der Wasserumsatz je Kilogramm ist bei kleinen Kindern größer; Volumendefizite können sich rasch auswirken.
  • Isotone, altersgerechte perioperative Infusionslösungen werden häufig bevorzugt; individuelle Konstellationen beachten.
  • Wärmemanagement umfasst Raumtemperatur, Wärmesystem und gegebenenfalls temperierte Infusionslösungen.

Besondere Risiken und Störungen

  • Unangemessene hypotone Flüssigkeiten können eine Hyponatriämie begünstigen.
  • Zu hohe Flüssigkeitsmengen können Überwässerung fördern; zu geringe Mengen Hypoperfusion.
  • Hypothermie beeinflusst Kreislauf, Stoffwechsel und Erholung.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Gewicht, Alter, Infusionstyp und Infusionsrate vor Anschluss gegen die Verordnung abgleichen.
  • Temperaturverlauf und sichtbare Zeichen der Perfusion beobachten.
  • Flüssigkeitsbilanz sowie gegebenenfalls Glukose und Elektrolyte nach klinischer Anordnung verfolgen.

Wichtige Einordnung: Formeln wie 4-2-1 sind Lernhilfen, keine allgemeingültige OP-Infusionsverordnung.

Emergence Delir und postoperative Überwachung bei KindernUnruhe beim Erwachen ist nicht automatisch ein Delir.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Kinder können nach der Narkose unruhig, desorientiert oder schwer tröstbar sein.
  • Schmerz, Hypoxämie, Hypoglykämie und Harnverhalt können ähnliche Symptome verursachen.
  • Strukturierte klinische Beobachtung und altersgerechte Skalen unterstützen die Einordnung.

Besondere Risiken und Störungen

  • Ein Emergence Delir ist von Schmerzen, Angst und physiologischen Störungen abzugrenzen.
  • Kinder mit vorausgegangenen Atemwegsinfekten oder OSA können erhöhte Atemwegsrisiken haben.
  • Unbeobachtete Agitation kann Zugänge und postoperative Versorgung gefährden.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Atemweg, SpO₂, Atemmuster, Kreislauf, Schmerz und Temperatur zuerst kontrollieren.
  • Eltern-/Bezugspersonenkontakt und eine reizarme Umgebung nach lokalen Abläufen unterstützen.
  • Auffälliges Verhalten mit zeitlichem Verlauf an das ärztliche Team melden.

Wichtige Einordnung: Unruhe darf nicht vorschnell als psychische Ursache interpretiert werden.

Schwangerschaft & Geburt 4 Kapitel

Physiologische Veränderungen in der SchwangerschaftAtemwege, Kreislauf und Magen-Darm-Trakt verändern die Anästhesieplanung.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Schwangerschaft erhöht Sauerstoffbedarf und Minutenventilation; die funktionelle Residualkapazität sinkt im Verlauf.
  • Plasmavolumen und Herzzeitvolumen steigen; Hämodilution kann den Hämoglobinwert beeinflussen.
  • Im späten Schwangerschaftsverlauf kann die Vena cava in Rückenlage komprimiert werden.

Besondere Risiken und Störungen

  • Bei Apnoe kann eine Entsättigung schneller eintreten.
  • Aortokavale Kompression kann venösen Rückstrom und Blutdruck reduzieren.
  • Aspiration und Atemwegsschwellung sind je nach Schwangerschaftsphase und Situation relevante Risiken.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Schwangerschaftsalter, geburtshilfliche Situation und geplantes Vorgehen in der Teamübergabe nennen.
  • Lagerungsmaßnahmen zur Entlastung der großen Gefäße nach ärztlicher Planung vorbereiten.
  • Atemwegs- und Aspirationsrisiken im Teambriefing besonders berücksichtigen.

Wichtige Einordnung: Die Ausprägung hängt von Schwangerschaftswoche und individueller Situation ab.

Fachliche Orientierung und Leitlinien

Geburtshilflicher Atemweg und AspirationsrisikoDynamische Risiken verlangen einen klaren Atemwegs- und Ausweichplan.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Veränderte Schleimhäute und mögliche Ödeme können die Atemwegssicherung erschweren.
  • Unter Zeitdruck und bei nicht-nüchternen Patientinnen steigt die Bedeutung der Aspirationsbeurteilung.
  • Präoxygenierung, Lagerung und verfügbare Alternativgeräte sind Bestandteile der Vorbereitung.

Besondere Risiken und Störungen

  • Fehlgeschlagene Intubation und Hypoxie gefährden Schwangere und Fetus.
  • Die Risikokonstellation unterscheidet sich zwischen elektiver und dringlicher Sectio.
  • Ein alleiniger Blick auf den Mallampati-Score bildet die Atemwegssituation nicht ausreichend ab.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Geeignete Masken, Tuben, Videolaryngoskop und supraglottische Rettungsoptionen nach SOP bereithalten.
  • Teambriefing zu Atemweg, Kreislauf, Dringlichkeit und Fallback-Strategie unterstützen.
  • Kapnografie und sichere Lagekontrolle sicherstellen.

Wichtige Einordnung: Konkrete RSI-Technik und Medikamente richten sich nach aktuellem Teamstandard und individueller ärztlicher Entscheidung.

Neuraxiale Anästhesie bei Sectio und GeburtSpinal- und Epiduralanästhesie haben besondere Kreislauf- und Monitoringaspekte.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Spinal- oder Periduralanästhesie kann bei geeigneter Indikation eine Allgemeinanästhesie vermeiden.
  • Eine neuraxiale Sympathikusblockade vermindert den Gefäßtonus und kann Hypotonie auslösen.
  • Blockhöhe, Sensibilität und hämodynamischer Verlauf müssen vor und während des Eingriffs beurteilt werden.

Besondere Risiken und Störungen

  • Postspinale Hypotonie kann mit Übelkeit und verminderter uteroplazentarer Perfusion einhergehen.
  • Nicht ausreichende Blockade oder fehlfunktionierender PDK muss rasch erkannt werden.
  • Gerinnungsstörungen und antithrombotische Therapie beeinflussen die Sicherheit neuraxialer Verfahren.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Kontrolliertes Monitoring, Lagerung und angeordnete Maßnahmen gegen Hypotonie vorbereiten.
  • Beschwerden, Blockhöhe und Kreislaufveränderungen frühzeitig kommunizieren.
  • Bei fehlender Wirksamkeit die ärztliche Neubewertung unterstützen.

Wichtige Einordnung: Keine festen Blutdruck- oder Gerinnungsgrenzen ohne Bezug auf die aktuelle geburtshilfliche und regionale SOP.

Fachliche Orientierung und Leitlinien

Postpartale Besonderheiten und BlutungsrisikoNach Geburt und Sectio können Blutung und Kreislaufveränderungen rasch kritisch werden.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Uterustonus, Plazentahaftstelle und Gerinnungsfunktion bestimmen die postpartale Blutstillung.
  • Blutverlust ist klinisch schwer zu schätzen; Verlauf, Vitalparameter und geschätzte/quantifizierte Blutmenge gehören zusammen.
  • Postpartale Überwachung umfasst Atemweg, Bewusstsein, Schmerz, Kreislauf und Blutungszeichen.

Besondere Risiken und Störungen

  • Uterusatonie ist eine häufige Ursache der postpartalen Blutung.
  • Massive Blutungen können Hypothermie, Azidose und Gerinnungsstörungen begünstigen.
  • Präeklampsie/HELLP kann auch nach Entbindung besondere Risiken erzeugen.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Blutungsauffälligkeiten, Uterus-/Wundblutung und Kreislauf frühzeitig eskalieren.
  • Transfusionsabläufe, Blutprodukte und Wärmemanagement nach lokaler SOP vorbereiten.
  • Übergabe an AWR/PACU oder ITS anhand des tatsächlichen Überwachungsbedarfs unterstützen.

Wichtige Einordnung: Die geburtshilfliche Blutung ist ein eigener Notfallalgorithmus; diese Kurzkarte ersetzt ihn nicht.

Adipositas & Schlafapnoe 4 Kapitel

Adipositas: Atemweg und PräoxygenierungVerminderte Sauerstoffreserve und anatomische Faktoren verändern das Risiko.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Adipositas kann die funktionelle Residualkapazität und Thoraxcompliance vermindern.
  • Eine kopfhohe bzw. rampenartige Lagerung kann die Atemwegsausrichtung und Präoxygenierung unterstützen.
  • Masken- und Atemwegsmaterial muss zur individuellen Anatomie passen.

Besondere Risiken und Störungen

  • Apnoe wird bei begrenzter Sauerstoffreserve weniger lang toleriert.
  • Schwierige Maskenbeatmung, Intubation und postoperative Obstruktion sind individuell zu beurteilen.
  • Ein hoher BMI allein beweist keinen schwierigen Atemweg.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Rampenlagerung, geeignete Beatmungsmaske und alternatives Atemwegsmaterial vorbereiten.
  • Aspirationsrisiko, OSA und Anamnese früherer Narkosen aktiv berücksichtigen.
  • Präoxygenierung und kontinuierliche Oxygenierungsbeobachtung priorisieren.

Wichtige Einordnung: BMI allein ersetzt keine strukturierte Atemwegsbeurteilung.

Obstruktive Schlafapnoe (OSA) perioperativSedativa und Opioide können Atemwegsobstruktion verstärken.

Normalfunktion & Hintergrund

  • OSA verursacht wiederkehrende Verengungen/Kollaps der oberen Atemwege im Schlaf.
  • Anamnese zu CPAP, beobachteten Atempausen, Schnarchen und Tagesmüdigkeit ist relevant.
  • STOP-Bang ist ein Screening-Instrument, keine definitive Diagnose.

Besondere Risiken und Störungen

  • Opioide, Sedativa und residuale Relaxierung erhöhen das Risiko von Hypoventilation/Obstruktion.
  • Nach der Narkose können respiratorische Ereignisse erneut auftreten, auch nach unauffälliger erster Erholung.
  • Sauerstoffgabe kann eine Hypoventilation maskieren; klinische Ventilationsbeurteilung bleibt wichtig.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Vorhandene CPAP-Therapie und postoperative Planung in der Übergabe angeben.
  • Vigilanz, Atemmuster, Obstruktionszeichen und angeordnete Überwachung beobachten.
  • Bei respiratorischen Auffälligkeiten frühzeitig Hilfe anfordern und Teamplan umsetzen.

Wichtige Einordnung: Die notwendige Dauer und Art des Monitorings werden individuell ärztlich entschieden.

Beatmung und Lagerung bei AdipositasMechanische Atemeigenschaften und Positionierung beeinflussen Beatmung.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Adipositas kann den transthorakalen Druck und die Atemarbeit erhöhen.
  • Tidalvolumen wird bei vielen lungenschonenden Strategien am vorhergesagten/idealen statt am tatsächlichen Gewicht orientiert.
  • PEEP, Lagerung und Rekrutierungsmaßnahmen müssen individuell an Oxygenierung und Hämodynamik angepasst werden.

Besondere Risiken und Störungen

  • Ein hoher Atemwegsdruck kann aus Thorax-/Abdomenmechanik resultieren und entspricht nicht zwingend hohem Lungentranspulmonaldruck.
  • Atelektasen können zur Oxygenierungsstörung beitragen.
  • Übermäßiger PEEP kann venösen Rückstrom und Kreislauf beeinträchtigen.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Körpergröße für die PBW-Berechnung korrekt erfassen; keine Tidalvolumenberechnung allein aus Körpergewicht.
  • Beatmungsdrücke, etCO₂ und Oxygenierung gemeinsam betrachten.
  • Lagerungs-, Druckstellen- und sichere Transfermaßnahmen beachten.

Wichtige Einordnung: Beatmungsparameter sind patienten- und situationsabhängig, keine pauschalen Sollwerte.

Postoperative Überwachung bei Adipositas / OSAAtemwegs-, Kreislauf- und Mobilisationsrisiken bleiben nach der Extubation bestehen.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Nach Extubation muss die vollständige neuromuskuläre Erholung berücksichtigt werden.
  • Sitzende oder geeignete seitliche Lagerung kann bei entsprechender Indikation die Atmung unterstützen.
  • Analgesie und Atmung sind gemeinsam zu beurteilen; opioidsparende Konzepte können hilfreich sein.

Besondere Risiken und Störungen

  • Wiederkehrende Obstruktion, Hypoventilation und Sedierung können trotz zunächst guter SpO₂ auftreten.
  • Atelektasen, eingeschränkte Mobilität und weitere Risikofaktoren beeinflussen Komplikationen.
  • Nicht jede Person mit Adipositas benötigt automatisch PACU oder ITS.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Atemweg, Atemfrequenz, Vigilanz, SpO₂ und klinische Ventilation in der Übergabe dokumentieren.
  • CPAP-Verordnung, PONV- und Schmerztherapie berücksichtigen.
  • Bei anhaltendem Sauerstoff- oder Überwachungsbedarf Verlegung ärztlich neu beurteilen lassen.

Wichtige Einordnung: Die Verlegung orientiert sich an klinischem Bedarf, nicht allein an BMI oder OSA-Screening.

Ältere & vulnerable Patienten 4 Kapitel

Frailty, Multimorbidität und funktionelle ReserveBiologisches Alter und Funktionsstatus sind wichtiger als eine Alterszahl allein.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Frailty beschreibt eine reduzierte physiologische Reserve und erhöhte Vulnerabilität gegenüber Belastungen.
  • Mobilität, Selbstständigkeit, Ernährung, Kognition und soziale Situation sind relevante präoperative Aspekte.
  • Multimorbidität und Polypharmazie beeinflussen Risikobewertung und postoperative Planung.

Besondere Risiken und Störungen

  • Schon moderate perioperative Belastungen können zu längerer Funktionsverschlechterung führen.
  • Chronologische Altersgrenzen sind kein geeigneter alleiniger Indikator für Narkoserisiko.
  • Mangelernährung und Immobilität erhöhen unter Umständen Komplikationsrisiken.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Baseline von Orientierung, Mobilität, Hilfsmitteln und Schmerzen in der Übergabe erfassen.
  • Brille, Hörhilfen und individuelle Kommunikationsbedürfnisse berücksichtigen.
  • Frührehabilitation und bedarfsangepasste Überwachung im Team unterstützen.

Wichtige Einordnung: Frailty-Screening ersetzt die ärztliche Gesamtevaluation nicht.

Postoperatives Delir bei älteren MenschenAkute Aufmerksamkeitsstörung erfordert aktive Ursachenprüfung.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Delir ist eine akute, oft fluktuierende Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein/Kognition.
  • Hypoaktives Delir kann ohne starke Unruhe bestehen und leicht übersehen werden.
  • Schmerz, Infektion, Hypoxie, Schlafstörung und Medikamente sind mögliche Auslöser/Verstärker.

Besondere Risiken und Störungen

  • Desorientierung nach Narkose ist nicht automatisch ein normales Altersphänomen.
  • Delir ist mit erhöhter Morbidität und längerem Behandlungsbedarf assoziiert.
  • Sedierung kann die klinische Beurteilung erschweren; nicht alle Verhaltensauffälligkeiten sind Delir.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Orientierungszustand im Vergleich zur präoperativen Ausgangssituation erfassen.
  • Standardisiertes Delirscreening nach lokalen Vorgaben nutzen und Auffälligkeiten melden.
  • Schmerz, Oxygenierung, Kreislauf, Reizumgebung und Hilfsmittel berücksichtigen.

Wichtige Einordnung: Delir erfordert medizinische Abklärung und Ursachenbehandlung; die Karte ist keine Diagnostikfreigabe.

Fachliche Orientierung und Leitlinien

Pharmakologische Besonderheiten im AlterVerteilung, Metabolismus und Wirkung ändern sich individuell.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Wasser-/Fettanteil und Organfunktion können Verteilungsvolumen und Halbwertszeiten beeinflussen.
  • Die Nierenfunktion und Begleitmedikation sind für viele Arzneistoffe relevant.
  • Empfindlichkeit gegenüber sedierenden und kreislaufwirksamen Substanzen kann erhöht sein.

Besondere Risiken und Störungen

  • Kumulation und Wechselwirkungen können verzögertes Erwachen, Hypotonie und Atemdepression begünstigen.
  • Eine normale Serum-Kreatinin-Konzentration schließt bei geringer Muskelmasse eine eingeschränkte Nierenfunktion nicht aus.
  • Alter allein erlaubt keine sichere feste Dosisanpassung.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Aktuelle Medikamentenliste, Allergien, Nieren-/Leberfunktion und Vormedikation abgleichen.
  • Wirkung und Nebenwirkungen nach ärztlicher Dosierung/Verordnung aufmerksam beobachten.
  • Verzögertes Erwachen und respiratorische Auffälligkeiten systematisch einordnen.

Wichtige Einordnung: Alle Dosierungen sind individuell und indikationsbezogen durch das ärztliche Team festzulegen.

Kardiovaskuläre Reserve und Hypotonie im AlterHämodynamische Reaktionen hängen von Vorerkrankungen und Medikation ab.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Arterielle Steifigkeit, diastolische Funktion und autonome Regulation verändern sich häufig mit dem Alter.
  • Betablocker, Diuretika und andere Medikamente können Puls- und Blutdruckreaktionen beeinflussen.
  • Organperfusion hängt von mehreren Faktoren ab und ist nicht allein durch einen Blutdruckwert beschrieben.

Besondere Risiken und Störungen

  • Anästhesiebedingte Vasodilatation kann bei reduzierter Reserve deutliche Hypotonie erzeugen.
  • Eine fehlende Tachykardie schließt Hypovolämie oder Kreislaufbelastung nicht aus.
  • Hypotonie und Myokardischämie sind risikokonstellationsabhängig zu beurteilen.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Präoperativen Ausgangsblutdruck und bekannte kardiale Erkrankungen beachten.
  • EKG, Blutdrucktrend, Oxygenierung und klinische Perfusion gemeinsam beobachten.
  • Auffällige Trends zeitnah an die Anästhesieführung kommunizieren.

Wichtige Einordnung: Pauschale Kreislaufzielwerte sind keine Ersatzentscheidung für den individuellen Patientenkontext.

Chronische Begleiterkrankungen 5 Kapitel

Diabetes mellitus und perioperative GlukosekontrolleNüchternheit, Stress und Therapie beeinflussen den Blutzucker.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Stresshormone können die Insulinresistenz und den Blutzucker perioperativ erhöhen.
  • Insulinmangel und Fasten können unter bestimmten Bedingungen zur Ketose/Ketoazidose beitragen.
  • Hypoglykämiezeichen sind unter Narkose nicht zuverlässig klinisch erkennbar.

Besondere Risiken und Störungen

  • Hyper- und Hypoglykämie können die perioperative Versorgung erschweren.
  • SGLT2-Hemmer können eine Ketoazidose auch bei nicht stark erhöhtem Blutzucker begünstigen.
  • Pausen und Anpassungen von Insulin, SGLT2- oder GLP-1-Therapie sind leitlinien- und patientenabhängig.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Diabetesform, Messsystem, letzte Mahlzeit und aktuelle Medikation dokumentieren.
  • Glukosemessungen nach Anordnung sicherstellen; Insulinpumpen/CGM nicht ohne Teamabstimmung handhaben.
  • Bei Verdacht auf Hypoglykämie oder Ketoazidose die ärztliche Abklärung sofort unterstützen.

Wichtige Einordnung: Keine pauschalen Medikamentenpausen oder Insulindosen aus einer Kurzkarte ableiten.

Chronische Niereninsuffizienz perioperativEingeschränkte Ausscheidung kann Wasser-, Elektrolyt- und Arzneimittelhaushalt verändern.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Die glomeruläre Filtration und tubulären Funktionen regulieren Volumen-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt.
  • eGFR, klinischer Verlauf und gegebenenfalls Dialyseplan gehören zur präoperativen Betrachtung.
  • Nicht jedes Medikament wird gleich stark renal eliminiert; aktive Metaboliten können bedeutsam sein.

Besondere Risiken und Störungen

  • Hyperkaliämie, Volumenüberladung und Azidose sind mögliche perioperative Gefahren.
  • Manche Medikamente/Metaboliten können kumulieren oder eine Anpassung erfordern.
  • Die eGFR kann bei akuten Veränderungen der Nierenfunktion irreführend sein.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Aktuelle Elektrolyte, Flüssigkeitsstatus, Restdiurese und Dialysetermine in der Übergabe nennen.
  • Ein- und Ausfuhr sowie Monitoring entsprechend Anordnung begleiten.
  • Gefäßzugänge und Dialyseshunts schützen und lokale Regeln beachten.

Wichtige Einordnung: Dialysepflicht und Medikamente erfordern individuelle interdisziplinäre Planung.

KHK und Herzinsuffizienz in der AnästhesieMyokardiale Sauerstoffbilanz und Pumpfunktion begrenzen Belastungsreserven.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Koronare Perfusion und Sauerstoffbedarf stehen in einem empfindlichen Verhältnis.
  • Herzinsuffizienz kann systolische oder diastolische Funktionsstörungen umfassen.
  • Symptome, Belastbarkeit, EKG, Medikation und kardiale Vorbefunde fließen in die Risikoeinschätzung ein.

Besondere Risiken und Störungen

  • Tachykardie, Hypotonie, Hypoxämie und Anämie können die myokardiale Sauerstoffbalance verschlechtern.
  • Flüssigkeitsüberladung oder abrupte Vorlaständerungen können bei Herzinsuffizienz problematisch sein.
  • Eine stabile Ruhefrequenz allein belegt keine ausreichende Pumpfunktion.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Kardiale Vorgeschichte, Belastbarkeit und relevante Vorbefunde im Teamkommunikation berücksichtigen.
  • EKG, Blutdrucktrend, Oxygenierung und klinische Zeichen der Perfusion aufmerksam verfolgen.
  • Neue Rhythmusstörungen, Ischämiezeichen oder Dekompensationszeichen früh melden.

Wichtige Einordnung: Keine pauschalen Flüssigkeits- oder Blutdruckziele aus der Karte ableiten.

COPD und Asthma perioperativObstruktion, Hyperinflation und bronchiale Reaktivität prägen das Risiko.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Asthma ist durch variable Atemwegsobstruktion und Entzündung gekennzeichnet.
  • COPD kann einen erhöhten exspiratorischen Widerstand und dynamische Hyperinflation verursachen.
  • Anamnese zu Exazerbationen, inhalativer Therapie, Belastbarkeit und Sauerstoffbedarf ist zentral.

Besondere Risiken und Störungen

  • Bronchospasmus kann exspiratorische Flussbegrenzung und erhöhten Beatmungsdruck auslösen.
  • Bei unzureichender Ausatmung kann Auto-PEEP die Ventilation und Hämodynamik beeinträchtigen.
  • Eine expiratorische etCO₂-Kurve mit verlangsamtem Anstieg ist ein mögliches, nicht beweisendes Muster.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Inhalativa, Atemwegshilfen und geplante Beatmungsstrategie im Team besprechen.
  • Auskultation, Kapnogramm, Atemwegsdrücke und Oxygenierung im Zusammenhang betrachten.
  • Bei Bronchospasmusverdacht früh eskalieren und ärztliche Maßnahmen unterstützen.

Wichtige Einordnung: COPD und Asthma sind nicht identisch; ein einzelner kapnografischer Befund ist nicht beweisend.

Lebererkrankung und perioperative RisikenStoffwechsel, Gerinnung und Kreislauf können komplex verändert sein.

Normalfunktion & Hintergrund

  • Die Leber ist für Synthese vieler Plasmaproteine und Metabolisierung zahlreicher Substanzen wichtig.
  • Leberzirrhose kann Portale Hypertension, Aszites und Gerinnungsveränderungen verursachen.
  • Klinische Leberfunktion ist nicht durch einen einzelnen Laborwert beschrieben.

Besondere Risiken und Störungen

  • INR-Erhöhung bei Zirrhose beschreibt nicht allein die tatsächliche Blutungsgefahr.
  • Aszites und portale Hypertension können Atemmechanik und Aspirationsrisiko beeinflussen.
  • Hypoalbuminämie und Stoffwechselstörungen können Arzneimittelwirkungen verändern.

Bedeutung für die ATA-Praxis

  • Aszites, Enzephalopathiezeichen, Ödeme, Vorblutungen und Arzneimittelanamnese erfassen.
  • Gerinnungsstatus, Elektrolyte und klinische Situation im Team zusammendenken.
  • Lagerung, Atemweg und postoperativen Überwachungsbedarf individuell vorbereiten.

Wichtige Einordnung: Bei fortgeschrittener Lebererkrankung kann trotz auffälliger Gerinnungslabore auch ein Thromboserisiko bestehen.

Drei kurze Lernfälle

Zum Erkennen besonderer Risiken – keine Therapie- oder Dosierungsalgorithmen.

Fall 1 · Säugling mit fallender SpO₂Einleitung, kurze Apnoe, rasche Entsättigung
Einordnung: Die Sauerstoffreserve ist bei Säuglingen klein und der Sauerstoffverbrauch relativ hoch. Altersgerechtes Atemwegsmaterial, Präoxygenierung und ein früh besprochener Rescue-Plan sind zentrale Sicherheitsbausteine.
Fall 2 · OSA und postoperative SedierungPatient schnarcht und atmet unregelmäßig im AWR
Einordnung: Residuale Sedierung und Opioide können eine Atemwegsobstruktion verstärken. Eine normale einzelne SpO₂-Messung reicht bei auffälliger Ventilation nicht zur Entwarnung. Frühzeitig Teamunterstützung und passende Überwachung veranlassen.
Fall 3 · Diabetes und unerwartete ÜbelkeitPatient hat länger gefastet und nimmt einen SGLT2-Hemmer ein
Einordnung: Unter SGLT2-Hemmern ist eine Ketoazidose auch bei nur moderat erhöhtem Glukosewert möglich. Symptome, Medikamentenanamnese und Risikokonstellation gehören in die ärztliche Beurteilung; eine Kurzkarte ersetzt keine Abklärung.