Hinweis für Ausbildung & Lehre: Didaktische Prüffassung, nicht für eigenständige Therapie- oder Dosierungsentscheidungen freigegeben. Fachliche Freigabe ausstehend. Im klinischen Einsatz gelten aktuelle Fachinformationen, lokale SOPs und ärztliche Anordnungen.

Praxis · Vor-, intra- und postoperative Versorgung

Perioperatives Management

Präoperative Einschätzung, Checklisten, Nüchternheit, Scores und Patientensicherheit.

Perioperatives Management & Checklisten

Präoperative Risikoeinschätzung, Nüchternheitsgrenzen, Patientensicherheit im OP und Grundlagen der postoperativen Versorgung.

AWR / PACU: eigenständiges Fachmodul

Patientenübernahme, Überwachung, Komplikationen, Opioid- und Relaxansüberhang, PONV, Schmerzen, Delir und Entlasskriterien.

Blut & Transfusion

Blutkomponenten, Bedside-Test, AB0-Lerntrainer, Massivblutung, Transfusionsreaktionen und Patient Blood Management.

Hygiene, Sicherheit & ATA-Arbeitsplatz

Händehygiene, Arbeitsplatzorganisation, aseptisches Arbeiten, PSA, sichere Medizinprodukte und Teamkommunikation.

ASA-Klassifikation (American Society of Anesthesiologists)

ASA I Gesunder Patient (Nichtraucher, kein/minimaler Alkoholkonsum).
ASA II Leichte Allgemeinerkrankung ohne funktionelle Einschränkung (z.B. gut eingestellte Hypertonie, Raucher, Schwangerschaft, BMI 30–40).
ASA III Schwere Allgemeinerkrankung mit funktioneller Einschränkung (z.B. COPD, KHK, BMI ≥ 40, Dialyse, Z.n. Herzinfarkt/Apoplex > 3 Monate).
ASA IV Schwere Allgemeinerkrankung, die eine ständige Lebensbedrohung darstellt (z.B. Herzinfarkt/Apoplex < 3 Monate, schwere Sepsis, dekompensierte Herzinsuffizienz).
ASA V Moribunder Patient, der ohne Operation voraussichtlich nicht überleben wird (z.B. rupturiertes Aortenaneurysma, massives Polytrauma).
ASA VI Hirntoter Patient (festgestellter irreversibler Hirnfunktionsausfall) zur Organspende.

Zusatz E (Emergency): bei zeitkritischen Notfalleingriffen ergänzend zur ASA-Klasse nach offizieller Definition; nicht als eigene ASA-Stufe. Der Klassifikationsassistent führt den E-Zusatz bei ASA I–V.

Präoperative Nüchternheitsgrenzen (Erwachsene und Kinder getrennt)

6 Stunden Erwachsene: leichte Mahlzeit bei elektivem Eingriff; nach ASA für fettreiche/schwere Mahlzeiten oder Fleisch mindestens 8 Stunden einplanen. Kinder: vollwertige feste Mahlzeiten nach geltender Kinder-Leitlinie.
4 Stunden Kinder: Fertigmilch/Kuhmilch oder eine kleine, leichte Mahlzeit (nach Kinder-Leitlinie und Klinikstandard).
3 Stunden Säuglinge: Muttermilch, auch angereicherte Muttermilch.
2 Stunden Erwachsene: klare Flüssigkeiten (z.B. Wasser, Tee, schwarzer Kaffee ohne Milch).
1 Stunde Kinder: klare Flüssigkeiten bis 1 h vor elektiver Narkoseeinleitung (gemäß S1-Leitlinie 2022).

„STOP-Injektion“ – Sicherheits-Check vor Narkoseeinleitung

Kurzer strukturierter Team-Check zwischen Anästhesist/in und ATA unmittelbar vor Gabe der Einleitungsmedikamente:

1. Identität & Eingriff geprüft?
2. Nüchternheit & Allergien?
3. Narkosegerät & Absaugung getestet?
4. Atemweg & Rückfallebene klar?
5. i.v.-Zugang durchgängig?
6. Monitoring vollständig?

WHO-Sicherheits-Checkliste im OP (3 Phasen)

1. SIGN IN (Vor Narkoseeinleitung)
  • Patientenidentität (Name, Geburtsdatum), OP-Gebiet & Einwilligung bestätigt?
  • OP-Seite markiert?
  • Narkosesicherheitsprüfung abgeschlossen?
  • Pulsoxymeter am Patienten und funktionsfähig?
  • Allergien bekannt? Schwieriger Atemweg? Blutverlustrisiko > 500 ml (EKS gekreuzt)?
2. TIME OUT (Unmittelbar vor Hautschnitt)
  • Kurze Vorstellung aller Teammitglieder mit Namen & Funktion.
  • Gemeinsame Bestätigung: Richtiger Patient, richtiger Eingriff, richtige Seite/Lagerung.
  • Perioperative Antibiotikaprophylaxe (PAP) innerhalb der letzten 30–60 Min. verabreicht?
  • Kritische Schritte, erwarteter Blutverlust, Bildgebung vorhanden?
3. SIGN OUT (Vor Verlassen des OPs)
  • Vollständige Zählkontrolle von Instrumenten, Bauchtüchern, Tupfern und Nadeln?
  • Histologische Präparate korrekt beschriftet?
  • Gab es Probleme mit medizinischen Geräten?
  • Gemeinsame Festlegung für den Aufwachraum / Intensivstation (Schmerztherapie, Flüssigkeitsbilanz, Thromboseprophylaxe).

Interaktiver Aldrete-Score (Verlegungsfähigkeit AWR)

10 / 10 Punkte

Beurteilung im Aufwachraum zur Verlegung auf die Normalstation (Orientierung häufig ≥ 9 Punkte; die Entscheidung hängt zusätzlich von klinischem Zustand und lokalen Kriterien ab).

1. Motorik / Aktivität
2. Atmung
3. Kreislauf (RR vs. Prä-OP)
4. Bewusstsein
5. Sauerstoffsättigung (SpO₂)
Aldrete-Score erfüllt rechnerisch den häufig verwendeten Schwellenwert. Eine Verlegung erfordert zusätzlich klinische Beurteilung, örtliche Kriterien und ärztlich festgelegte Freigabe.

PONV-Prophylaxe (Apfel-Score) & Schmerztherapie

Die 4 Risikofaktoren des vereinfachten Apfel-Scores (je 1 Punkt):

1. Weibliches Geschlecht
2. Nichtraucher-Status
3. PONV oder Reisekrankheit in der Anamnese
4. Erwartete postoperative Opioidgabe

PONV-Wahrscheinlichkeit: 0 Pkt = 10% | 1 Pkt = 20% | 2 Pkt = 40% | 3 Pkt = 60% | 4 Pkt = 80%.
Antiemetische Stufentherapie: Dexamethason (4–8 mg zur Einleitung) + Ondansetron (4 mg vor Ausleitung) + Droperidol (0,625–1,25 mg) oder Dimenhydrinat (62 mg) + Umstellung auf TIVA.

Akutschmerztherapie im Aufwachraum (Ziel: NRS ≤ 3 in Ruhe): • Nicht-Opioid-Basisanalgesie: Metamizol (Novalgin 1 g Kurzinfusion langsam! RR-Abfall beachten) oder Paracetamol (1 g) oder Ibuprofen/Parecoxib.
• Opioid-Titration i.v.: Piritramid (Dipidolor) Boli à 3–3,75 mg i.v. (Wirkmaximum nach ~10–15 Min.) oder Oxycodon.
• Postoperatives Shivering (Kältezittern): Aktive Wärmung (WarmTouch/BairHugger) + Clonidin (75–150 µg) oder Pethidin (25 mg i.v.).