Hinweis für Ausbildung & Lehre: Didaktische Prüffassung, nicht für eigenständige Therapie- oder Dosierungsentscheidungen freigegeben. Fachliche Freigabe ausstehend. Im klinischen Einsatz gelten aktuelle Fachinformationen, lokale SOPs und ärztliche Anordnungen.

Fachwissen · Monitoring

Monitoring & Narkosegerät

Vitalparameter, Kapnografie, Relaxometrie, EEG/BIS, Gerätetechnik und deren Interpretation.

Hygiene & sicherer Arbeitsplatz

Arbeitsplatzvorbereitung, Einweisung und Reinigung nach Patientenwechsel als Lerntraining

Interaktiver Gerätecheck

Selbsttest, Atemsystem, Alarme und Kurzcheck im Übungsmodus

Monitoring, Kapnografie & Narkosegerät

Basismonitoring, erweitertes hämodynamisches/neuromuskuläres Monitoring sowie Aufbau und Sicherheitseinrichtungen des Narkosekreisteils.

Interaktives Lehr-Modul

Kapnografie (etCO₂) – Phasen & Kurven-Interpretation

Wähle ein klinisches Szenario, um die charakteristische Kapnografiekurve und ihre Ursache zu analysieren.

CO₂ WAVEFORM (Nebenstrom / Hauptstrom)
etCO₂: 38 mmHg fiCO₂: 0 mmHg AF: 12 /min
50 mmHg 35 mmHg 0 mmHg

Normales Kapnogramm (Normokapnie)

Reguläre Rechteckform mit leicht ansteigendem Alveolarplateau. Ein anhaltendes, passendes Kapnogramm ist ein wichtiges Instrument zur Tubuslagekontrolle; aus der Kurve allein lassen sich weder vollständige Ventilationsqualität noch ein normales Herzzeitvolumen ableiten.

Die 4 Phasen der Kapnografiekurve:

• Phase I (A–B): Frühe Exspiration (anatomischer Totraum, CO₂ = 0).

• Phase II (B–C): Steiler Anstieg (Mischluft aus Totraum & Alveolen).

• Phase III (C–D): Alveoläres Plateau (Punkt D = etCO₂ am Ende der Ausatmung).

• Phase IV (D–E): Inspiration (rascher Abfall auf die Nulllinie).

Basismonitoring (Standard)

  • EKG (3- oder 5-Pol): Überwachung von Herzfrequenz, Rhythmus und ST-Strecke. Ableitung II (Rhythmus/P-Welle) + V5 (Myokardischämie).
  • Pulsoxymetrie (SpO₂): Spektrophotometrie (Rotlicht 660 nm & Infrarot 940 nm). Misst die funktionelle arterielle O₂-Sättigung + Pulsfrequenz. Fehlerquellen: Zentralisation/Hypothermie, Bewegungsartefakte, CO-Intoxikation (falsch hoch!), Methämoglobinämie (Streben gegen ~85%).
  • NIBP (Oszillometrie): Nicht-invasive Blutdruckmessung (Intervall 3–5 Min.). Manschettenbreite ca. 40% des Oberarmumfangs (zu schmale Manschette → falsch hohe Werte!).
  • Temperaturmessung: Obligat ab > 30–60 Min. OP-Dauer (Ziel: Normothermie 36,0 – 37,5 °C, da Hypothermie zu Koagulopathie, Shivering, Wundinfektionen und verlängerter Medikamentenwirkung führt).

Arterie (IBP) & ZVK

  • Invasive Blutdruckmessung (Arterie): Punktionsort 1. Wahl: A. radialis (alternativ A. femoralis/brachialis). Kontinuierliche Beat-to-Beat-Messung + arterielle BGA.
  • Nullabgleich & Referenzhöhe: Druckwandler (Transducer) auf Herzhöhe (Phlebostatische Achse / 4. ICR mittlere Axillarlinie) positionieren (bei Neuro-OPs oft auf Höhe des Meatus acusticus externus / Foramen Monroi zur CPP-Berechnung: CPP = MAP - ICP).
  • Spülsystem: NaCl 0,9% im Druckbeutel auf 300 mmHg (Flussrate ~ 3 ml/h). Keine glukosehaltigen Lösungen verwenden!
  • Zentraler Venenkatheter (ZVK): V. jugularis interna (rechts bevorzugt) oder V. subclavia unter Sonografie in Trendelenburg-Lagerung (Vermeidung von Luftembolien!). Katheterspitze im Übergang V. cava superior / rechter Vorhof. Indikation: Katecholamintherapie, hochosmolare Lösungen, ZVD (Norm: 2–8 mmHg).

Relaxometrie (TOF) & BIS

  • Neuromuskuläres Monitoring (Relaxometrie): Akzeleromyografie. Standard-Messort: Stimulation des N. ulnaris am Handgelenk → Messung der Adduktion des M. adductor pollicis (Daumen).
  • TOF (Train-of-Four): 4 supramaximale Einzelreize mit 2 Hz (Abstand 0,5 s).
    • TOF = 0/4: Tiefe oder sehr tiefe Blockade; PTC zur weiteren Einordnung nutzen.
    • TOF = 1–3/4: Moderate Blockade.
    • TOF-Ratio (T4/T1) ≥ 0,9 (90%): Wichtiger quantitativer Grenzwert für die neuromuskuläre Erholung vor Extubation; zusätzliche klinische Kriterien bleiben notwendig!
  • PTC (Post-Tetanic Count): Zur Beurteilung sehr tiefer neuromuskulärer Blockaden, wenn TOF = 0 ist.
  • BIS (Bispektraler Index): Prozessierter EEG-Index von 0–100; bei Allgemeinanästhesie wird häufig ein BIS-Zielbereich von 40–60 verwendet. Einzelwerte im Kontext von Roh-EEG, Anästhetika, Artefakten und Patientenzustand interpretieren.
  • Narcotrend: Eigenständiges EEG-Verfahren mit Stadien A (wach) bis F (sehr tiefe Hypnose/Burst-Suppression) und einem gerätespezifischen Index. Für die Allgemeinanästhesie wird üblicherweise Stadium D (Index etwa 37–64) beschrieben; dieser Bereich ist nicht mit BIS 40–60 gleichzusetzen. Geräte- und situationsabhängige Zielwerte beachten.

Aufbau des Narkosegeräts, Rückatmungssystem (Kreisteil) & Atemkalk

1. Gasversorgung & Sicherheit

  • Zentrale Gasversorgung (ZGV): Betriebsdruck ~ 4,5–5 bar. Unverwechselbare NIST-Stecker & Farbkennzeichnung:
    • Sauerstoff (O₂): Weiß
    • Druckluft (Air): Schwarz-Weiß
    • Lachgas (N₂O): Blau
  • O₂-Mangel-Warnsignal (Ritchie-Pfeife): Ertönt bei Abfall des O₂-Versorgungsdrucks.
  • Lachgas-Sperre (ORC - Oxygen Ratio Controller): Garantiert eine Mindest-O₂-Konzentration von 25% im Frischgas.
  • O₂-Flush (Sauerstoff-Bypass): Liefert unter Umgehung von Dosierblock und Vapor direkt 35–75 l/min reinen Sauerstoff ins Kreisteil (Vorsicht: Barotrauma & Verdünnung des Narkosegases!).

2. Komponenten des Kreisteils

Ermöglicht Low-Flow (1,0 l/min) und Minimal-Flow (0,5 l/min) Anästhesie durch Rückatmung der aufbereiteten Ausatemluft:

  • Inspirations- & Exspirationsventil: Einwegventile sichern den gerichteten Gasfluss zum und vom Patienten.
  • CO₂-Absorber (Atemkalk): Chemische Bindung des ausgeatmeten CO₂ unter Bildung von Wärme und Wasser (H₂O) (Klimatisierung des Atemgases!).
  • APL-Ventil (Überdruckventil): Begrenzt bei Spontan-/Manuell-Atmung den Druck im System.
  • AGFS (Anästhesiegas-Fortleitungssystem): Aktive Absaugung überschüssiger Narkosegase zum Arbeitsschutz.

3. Atemkalk & Farbumschlag

Bestandteile: Calciumhydroxid Ca(OH)₂ (~80%), Wasser (~15–18%) und ggf. wenig NaOH (oder moderner alkalifreier Kalk wie Amsorb zur Vermeidung von Compound A / CO-Bildung).

Bruttoreaktion (exotherm!):
CO₂ + Ca(OH)₂ → CaCO₃ + H₂O + Wärme

Indikator-Farbumschlag (pH-abhängig):
Frischer Kalk = Weiß → Verbrauchter Kalk = Violett (EthylViolett).

Wichtig für die Prüfung: Verfärbter Kalk kann sich bei Nichtgebrauch wieder entfärben (Regenerationseffekt), ist aber trotzdem erschöpft! Sicheres Zeichen im Betrieb: Anstieg von fiCO₂ > 0 mmHg in der Kapnografie!