Fachwissen · Monitoring
Monitoring & Narkosegerät
Vitalparameter, Kapnografie, Relaxometrie, EEG/BIS, Gerätetechnik und deren Interpretation.
Arbeitsplatzvorbereitung, Einweisung und Reinigung nach Patientenwechsel als Lerntraining
Selbsttest, Atemsystem, Alarme und Kurzcheck im Übungsmodus
Monitoring, Kapnografie & Narkosegerät
Basismonitoring, erweitertes hämodynamisches/neuromuskuläres Monitoring sowie Aufbau und Sicherheitseinrichtungen des Narkosekreisteils.
Kapnografie (etCO₂) – Phasen & Kurven-Interpretation
Wähle ein klinisches Szenario, um die charakteristische Kapnografiekurve und ihre Ursache zu analysieren.
Normales Kapnogramm (Normokapnie)
Reguläre Rechteckform mit leicht ansteigendem Alveolarplateau. Ein anhaltendes, passendes Kapnogramm ist ein wichtiges Instrument zur Tubuslagekontrolle; aus der Kurve allein lassen sich weder vollständige Ventilationsqualität noch ein normales Herzzeitvolumen ableiten.
• Phase I (A–B): Frühe Exspiration (anatomischer Totraum, CO₂ = 0).
• Phase II (B–C): Steiler Anstieg (Mischluft aus Totraum & Alveolen).
• Phase III (C–D): Alveoläres Plateau (Punkt D = etCO₂ am Ende der Ausatmung).
• Phase IV (D–E): Inspiration (rascher Abfall auf die Nulllinie).
Basismonitoring (Standard)
- EKG (3- oder 5-Pol): Überwachung von Herzfrequenz, Rhythmus und ST-Strecke. Ableitung II (Rhythmus/P-Welle) + V5 (Myokardischämie).
- Pulsoxymetrie (SpO₂): Spektrophotometrie (Rotlicht 660 nm & Infrarot 940 nm). Misst die funktionelle arterielle O₂-Sättigung + Pulsfrequenz. Fehlerquellen: Zentralisation/Hypothermie, Bewegungsartefakte, CO-Intoxikation (falsch hoch!), Methämoglobinämie (Streben gegen ~85%).
- NIBP (Oszillometrie): Nicht-invasive Blutdruckmessung (Intervall 3–5 Min.). Manschettenbreite ca. 40% des Oberarmumfangs (zu schmale Manschette → falsch hohe Werte!).
- Temperaturmessung: Obligat ab > 30–60 Min. OP-Dauer (Ziel: Normothermie 36,0 – 37,5 °C, da Hypothermie zu Koagulopathie, Shivering, Wundinfektionen und verlängerter Medikamentenwirkung führt).
Arterie (IBP) & ZVK
- Invasive Blutdruckmessung (Arterie): Punktionsort 1. Wahl: A. radialis (alternativ A. femoralis/brachialis). Kontinuierliche Beat-to-Beat-Messung + arterielle BGA.
- Nullabgleich & Referenzhöhe: Druckwandler (Transducer) auf Herzhöhe (Phlebostatische Achse / 4. ICR mittlere Axillarlinie) positionieren (bei Neuro-OPs oft auf Höhe des Meatus acusticus externus / Foramen Monroi zur CPP-Berechnung:
CPP = MAP - ICP). - Spülsystem: NaCl 0,9% im Druckbeutel auf 300 mmHg (Flussrate ~ 3 ml/h). Keine glukosehaltigen Lösungen verwenden!
- Zentraler Venenkatheter (ZVK): V. jugularis interna (rechts bevorzugt) oder V. subclavia unter Sonografie in Trendelenburg-Lagerung (Vermeidung von Luftembolien!). Katheterspitze im Übergang V. cava superior / rechter Vorhof. Indikation: Katecholamintherapie, hochosmolare Lösungen, ZVD (Norm: 2–8 mmHg).
Relaxometrie (TOF) & BIS
- Neuromuskuläres Monitoring (Relaxometrie): Akzeleromyografie. Standard-Messort: Stimulation des N. ulnaris am Handgelenk → Messung der Adduktion des M. adductor pollicis (Daumen).
- TOF (Train-of-Four): 4 supramaximale Einzelreize mit 2 Hz (Abstand 0,5 s).
• TOF = 0/4: Tiefe oder sehr tiefe Blockade; PTC zur weiteren Einordnung nutzen.
• TOF = 1–3/4: Moderate Blockade.
• TOF-Ratio (T4/T1) ≥ 0,9 (90%): Wichtiger quantitativer Grenzwert für die neuromuskuläre Erholung vor Extubation; zusätzliche klinische Kriterien bleiben notwendig! - PTC (Post-Tetanic Count): Zur Beurteilung sehr tiefer neuromuskulärer Blockaden, wenn TOF = 0 ist.
- BIS (Bispektraler Index): Prozessierter EEG-Index von 0–100; bei Allgemeinanästhesie wird häufig ein BIS-Zielbereich von 40–60 verwendet. Einzelwerte im Kontext von Roh-EEG, Anästhetika, Artefakten und Patientenzustand interpretieren.
- Narcotrend: Eigenständiges EEG-Verfahren mit Stadien A (wach) bis F (sehr tiefe Hypnose/Burst-Suppression) und einem gerätespezifischen Index. Für die Allgemeinanästhesie wird üblicherweise Stadium D (Index etwa 37–64) beschrieben; dieser Bereich ist nicht mit BIS 40–60 gleichzusetzen. Geräte- und situationsabhängige Zielwerte beachten.
Aufbau des Narkosegeräts, Rückatmungssystem (Kreisteil) & Atemkalk
1. Gasversorgung & Sicherheit
- Zentrale Gasversorgung (ZGV): Betriebsdruck ~ 4,5–5 bar. Unverwechselbare NIST-Stecker & Farbkennzeichnung:
• Sauerstoff (O₂): Weiß
• Druckluft (Air): Schwarz-Weiß
• Lachgas (N₂O): Blau - O₂-Mangel-Warnsignal (Ritchie-Pfeife): Ertönt bei Abfall des O₂-Versorgungsdrucks.
- Lachgas-Sperre (ORC - Oxygen Ratio Controller): Garantiert eine Mindest-O₂-Konzentration von 25% im Frischgas.
- O₂-Flush (Sauerstoff-Bypass): Liefert unter Umgehung von Dosierblock und Vapor direkt 35–75 l/min reinen Sauerstoff ins Kreisteil (Vorsicht: Barotrauma & Verdünnung des Narkosegases!).
2. Komponenten des Kreisteils
Ermöglicht Low-Flow (1,0 l/min) und Minimal-Flow (0,5 l/min) Anästhesie durch Rückatmung der aufbereiteten Ausatemluft:
- Inspirations- & Exspirationsventil: Einwegventile sichern den gerichteten Gasfluss zum und vom Patienten.
- CO₂-Absorber (Atemkalk): Chemische Bindung des ausgeatmeten CO₂ unter Bildung von Wärme und Wasser (H₂O) (Klimatisierung des Atemgases!).
- APL-Ventil (Überdruckventil): Begrenzt bei Spontan-/Manuell-Atmung den Druck im System.
- AGFS (Anästhesiegas-Fortleitungssystem): Aktive Absaugung überschüssiger Narkosegase zum Arbeitsschutz.
3. Atemkalk & Farbumschlag
Bestandteile: Calciumhydroxid Ca(OH)₂ (~80%), Wasser (~15–18%) und ggf. wenig NaOH (oder moderner alkalifreier Kalk wie Amsorb zur Vermeidung von Compound A / CO-Bildung).
Bruttoreaktion (exotherm!):
CO₂ + Ca(OH)₂ → CaCO₃ + H₂O + Wärme
Indikator-Farbumschlag (pH-abhängig):
Frischer Kalk = Weiß → Verbrauchter Kalk = Violett (EthylViolett).